Fledermaus-AG

Auf Pirsch in der Dunkelheit

Abflug zur abendlichen Jagd (Foto: E. Menz)
Abflug zur abendlichen Jagd (Foto: E. Menz)

An vielen Orten im Oldenburger Land sind NABU-Aktive im Einsatz für den Fledermausschutz - und diese Tiere haben es nötig. Denn in den letzten Jahrzehnten sind die Fledermausbestände überall in Deutschland drastisch zurückgegangen. Alle 11 in Niedersachsen bekannten Fledermausarten stehen auf der 'Roten Liste'! Die Gründe hierfür sind vielschichtig.

 

Zum Einen benötigen Fledermäuse einen Lebensraum mit unterschiedlichen Strukturen - so sind alte freistehende Baumbestände mit Aushöhlungen nötig, damit die Tiere im freien Anflug auf den Baum einen geeigneten Unterschlupf für den Tag finden. Offene Bereiche in der Landschaft dienen den meisten Fledermausarten zur Jagd; andere finden ihre Beute sehr flach über Gewässern. Eine ausgeräumte und eintönige Landschaft ist also kein Revier für Fledermäuse...

 

Alleinige Nahrungsquelle der bei uns heimischen Fledermäuse sind Insekten - auch diese befinden sich in den letzten Jahren aufgrund schwindender Lebensräume und dauerhafter Pestizideinsätze in der Landwirtschaft deutlich im Rückgang, was natürlich direkt auf die Fledermausvorkommen zurückschlägt.

 

Desweiteren sind die Fledermäuse als Endglied in der Nahrungskette von Pestizideinsätzen über die Aufnahme von belasteten Insekten besonders stark betroffen; es wird vermutet, dass dies negative Auswirkungen auf die Fortpflanzung der Fledermäuse hat.

Beschau eines neu eingerichteten Winterquartiers in einem ungenutzten, alten Bunker
Beschau eines neu eingerichteten Winterquartiers in einem ungenutzten, alten Bunker

Aktiv für Fledermäuse: In Oldenburg gibt es in jedem Sommer NABU-Fledermauswanderungen im Schlossgarten - auch an anderen Orten wie Hude, Jever oder Bad Zwischenahn finden solche Führungen statt. Mit einem Bat-Detector, der die von Fledermäusen zur Jagd nach Insekten eingesetzten Ultraschalltöne in für Menschenohren hörbare Frequenzen umsetzt, können die verschiedenen Fledermausarten auch im Dunkeln unterschieden werden.

 

Neben diesen öffentlichen Veranstaltungen, deren Termine alle in unserem Programm zu finden sind, kümmert sich eine 2016 gegründete Arbeitsgemeinschaft von Ehrenamtlichen konkret um die Bedürfnisse der städtischen Fledermäuse in Oldenburg. Einmalig im Monat trifft man sich in den Räumen der NABU-Geschäftsstelle - aber natürlich erfordert die Suche nach Schlaf- und Winterquartieren sowie den Jagdrevieren der nächtlichen Flugkünstler auch abendliche Ausflüge in die unterschiedlichsten Bereiche der Stadt.

 

Erste praktische Maßnahmen waren Umbauten an alten Bunkern. Der erste in Tungeln bei Oldenburg, ein weiterer am Stau in Oldenburg sowie einer am Friedrich-August-Platz - hier konnte schon während der letzten Baumaßnahmen im November 2016 der erste Gast entdeckt werden, der sich in einem der extra angebrachten Spaltenquartiere seinen Unterschlupf gesucht hatte (s. Foto)!

 

Die Umbauten alter Bunker wurden teilweise mit Projektpartnern wie dem 'Verein der Gartenwege' ausgeführt und durch die Stadt Oldenburg, die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung und die NABU-Stiftung Oldenburgisches Naturerbe mitfinanziert. Ungenutzte Bunker stellen perfekte Winterquartiere für Fledermäuse dar - wenn die Türen verschlossen werden (so dass keine Störungen möglich sind) und durch Einsetzen spezieller Steinstrukturen Spaltenplätze für den Winterschlaf geschaffen werden, können die Tiere hier ihre monatelange Winterruhe verbringen.

 

Bei der Einrichtung dieser Schlafplätze arbeiten fachlich wir eng mit den Naturschutzbehörden zusammen - Fledermäuse stehen ja unter besonderem gesetzlichem Schutz. Erfreulicherweise hat sich die Stadt Oldenburg bereit erklärt, sich zukünftig eigenständig um ausbaufähige Bunker auf städtischen Flächen zu kümmern; der NABU wird sich potentiellen Bunkern auf Privatgrundstücken widmen und nimmt dafür gerne Vorschläge entgegen.

 

Erstbezug im Fledermausbunker am Friedrich-August-Platz in Oldenburg (Langohrfledermaus, Foto: NABU/S. Bischoff)
Erstbezug im Fledermausbunker am Friedrich-August-Platz in Oldenburg (Langohrfledermaus, Foto: NABU/S. Bischoff)

Aber nicht nur im Winter, auch im Sommer benötigen die Fledermäuse passende Schlafquartiere - ist die Todesangst vor den ersten Sonnenstrahlen auch eine Schauermär aus Vampirgeschichten, so wollen sich Fledermäuse doch tagsüber gern gut versteckt und geschützt vor Räubern zum Schlafen 'abhängen'.

 

Mehrere Hundert Fledermauskästen wurden durch den NABU bereits in der Region als Schlafplätze für die flatterhaften Jäger aufgehängt. Sie dienen als Ersatz für fehlende Baumhöhlen oder werden unter Dachüberständen an Hauswänden angebracht. Solche Kästen werden auch in der Geschäftsstelle in Oldenburg angeboten - wir beraten Sie gern, ob eine Anbringung an Ihrem Haus oder im Garten sinnvoll ist.

Kontakt: Wenn Sie Interesse an der Mitarbeit in unserer Oldenburger Fledermaus-AG haben, dann wenden Sie sich einfach an unsere NABU-Geschäftsstelle oder per Mail an Rolf Grösch: groesch@nabu-oldenburg.de

BatMap Niedersachsen: Gefördert durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung führen fachkompetente Ehrenamtliche des NABU Niedersachsen eine landesweite Kartierung aller Fledermausarten durch - die Ergebnisse lassen sich unter www.batmap.de einsehen.

Mehr zum Thema: Das NABU-Heft 'Fledermäuse - Flugkünstler der Nacht' bietet reichhaltige Infos zu den nächtlichen Jägern.

 

DIN A5, 40 S., farbig, 1,50 Euro

 

Erhältlich in unserer NABU Geschäftsstelle

Die Artenschutzprojekte des NABU für Fledermäuse in Oldenburg wurden bereits mehrfach durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gefördert.