Loyermoor - ein Reservat für Reptilien

Kreuzottern, Ringelnattern, Blindschleichen, Eidechsen und Amphibien...

NABU-Exkursion durchs Loyermoor
NABU-Exkursion durchs Loyermoor

Die Projektflächen: Auf über 20 ha werden im Loyermoor (norwestlich von Oldenburg) Flächen für den Naturschutz optimiert und gepflegt. Extensiv genutztes Feuchtgrünland, große Brachflächen, nie abgetorfte Moor- und Heideflächen sowie große Wasserflächen - so bunt das Mosaik der Landschaft sich hier darstellt, so bunt ist auch die Gemeinschaft derjenigen zusammengesetzt, die in diesem Moorgebiet gemeinsam Naturschutz betreiben!

 

Neben dem Land Niedersachsen und der Gemeinde Rastede betreut auch der NABU acht ha Feuchtgrünland mit mehreren Gewässern im Gebiet. Allein schon auf unseren eigenen Flächen konnten bereits Kreuzottern, Ringelnattern und der seltene Moorfrosch nachgewiesen werden. Natürlich fühlen sich hier auch Enten und Gänse wohl, die regelmäßig zur Brut kommen - und 2015 konnten wir die erste erfolgreiche Kiebitzbrut verzeichnen.

Luftaufnahme des Gebietes - der mittige, zentrale Streifen zeigt die NABU-Flächen mit etlichen Stillgewässern
Luftaufnahme des Gebietes - der mittige, zentrale Streifen zeigt die NABU-Flächen mit etlichen Stillgewässern

Gerade für heimische Schlangenarten bieten die Flächen optimale Lebensbedingungen - sommerfeuchte Wiesen mit trockenen sonnenexponierten Lagen, Heidestandorte und größere Wasserflächen wechseln sich kleinräumig ab, so dass alle Bedürfnisse dieser ehemals stark verfolgten Arten erfüllt werden.

 

Nicht nur Stiftungen wie die Niedersächsische Lottostiftung und die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, sondern auch Privatpersonen wie etwa der Schauspieler Heinz Baumann tragen mit finanzieller Unterstützung dazu bei, dass wir dieses teilweise noch sehr ursprüngliche Areal für Reptilien und andere Bewohner und Besucher erhalten und entwickeln können.

Ringelnatter im Loyermoor - helle Wangenflecken und ungiftig
Ringelnatter im Loyermoor - helle Wangenflecken und ungiftig

Ringelnattern: Mit einer durchschnittlichen Größe von 85 cm ist die Ringelnatter erstaunlich groß. Vor allem die Männchen wirken auf Grund ihrer Größe und des gedrungenen Äußeren manchmal sehr plump. Mit dem durchgehend grau bis grauschwarz geschuppten Körper sind Ringelnattern eigentlich unverwechselbar. Ganz deutlich erkennbar sind sie letztendlich an den gelblich-weißen Wangenflecken.

 

Allgemein bekannt ist die Tatsache, dass Ringelnattern keine Giftzähne haben, was ihnen durchaus zugute kommt - denn anders als bei den Kreuzottern werden diese für uns vollkommen ungefährlichen Reptilien kaum verfolgt.

 

Im Hochsommer legen die Ringelnattern je 10-30 Eier ab, aus denen nach ein bis zwei Monaten die jungen schlüpfen.

Kreuzotter im Loyermoor - unverkennbares Rückenmuster
Kreuzotter im Loyermoor - unverkennbares Rückenmuster

Kreuzottern: Mit einer Länge von 60 - 70 cm ist die Kreuzotter relativ klein. Aber aufgrund der Tatsache, dass sie ihre Opfer mit einem Gift betäubt oder tötet, ist sie als 'gefährliche' Schlangenart verrufen. Allerdings bewirkt das Gift, dass sie mit einem Biss absondern kann, bei einem gesunden, erwachsenen Menschen keinerlei bedrohliche Auswirkungen - unangenehm ist es natürlich schon und Vorsicht ist entsprechend angebracht. Erkennbar an ihrem eindeutigen Rückenmuster, kann man die Kreuzotter in unseren Gegenden eigentlich mit keiner anderen Schlange verwechseln.

 

Früher intensiv bejagt - es gab geradezu "Kopfprämien" für tote Kreuzottern - gilt die Art heute als bedroht und selten. In unserem Schlangenrefugium können sie sich ungestört vermehren. Die Kreuzotter ist nur noch an wenigen anderen Standorten in der Region anzutreffen.

 

Kreuzottern bringen in September-Oktober 4 - 15 voll entwickelte Junge zur Welt, gehören also zu den lebendgebärenden Arten.

Moorfrosch - selten und noch seltener in Blau... (Foto: Andreas Hoppe)
Moorfrosch - selten und noch seltener in Blau... (Foto: Andreas Hoppe)

Moorfrosch & Co: Er ist leider nur noch selten in Niedersachsen zu finden - der zierliche Moorfrosch. Nicht immer gut von anderen Arten zu unterscheiden, zeigen sich die Männchen aber zur Balzzeit in auffälliger und unverwechselbarer Blaufärbung. Wir freuen uns, dass es diesem Frosch offensichtlich im Loyermoor gefällt. Seit 2015 wurde er mindestens schon zwei mal dort gesichtet.

 

Neben dem Moorfrosch finden sich hier natürlich auch andere Frösche und Kröten. Immerhin gibt es reichlich kleine und große Wasserflächen und auch ungestörte Bereiche, die sich als Sommerlebensraum eignen. In randlichen Bereichen unserer Flächen wurden auch häufiger schon Blindschleichen und Eidechsen (vermutlich Waldeidechsen) beobachtet.

Scharlachlibelle im Loyermoor (Foto: Silke Lorenz)
Scharlachlibelle im Loyermoor (Foto: Silke Lorenz)

Libellen: Auch die bunten Luftakrobaten finden im Loyermoor allerbeste Lebensräume. Kleine und große Stillgewässer, flache Uferzonen, Röhrichte - das sind die Zutaten für ein schönes Libellenbiotop. Hier können sich die im Wasser lebenden Larven in Ruhe entwickeln, wozu sie oftmals mehrere Jahre benötigen.

 

Und in der direkten Umgebung finden sich mit extensiv gepflegten Wiesen und ursprünglichen Heideflächen gleich prächtige Jagdreviere für die ausgewachsenen Tiere.

Willi Martens kennt jeden Strauch - aufgewachsen im Loyermoor
Willi Martens kennt jeden Strauch - aufgewachsen im Loyermoor

Exkursionen: Nicht nur Amphibien, Schlangen und Eidechsen fühlen sich im Loyermoor wohl - auch von vielen Teilnehmern unserer NABU-Exkursionen hören wir immer wieder, wie angenehm sie die Stille und die Weite des Loyermoores empfinden! Plötzlich öffnen sich die Ohren wieder für das Sirren von  Libellenflügeln und leises Rascheln im hohen Gras - und wer vorsichtig genug auftritt, bekommt mit etwas Glück eben auch zum ersten Mal im Leben eine Kreuzotter zu sehen, die sich gerade in der Vormittagssonne aufwärmt.

 

Alle NABU-Führungen werden gemeinsam mit dem Ehepaar Martens durchgeführt. Sie bewohnen einen kleinen Bauernhof am Rande des Areals, etliche ha im Gebiet gehörten früher nämlich zu ihrem landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Inzwischen sind sie Rentner und haben sich mit Herz und Seele dem Naturschutz verschrieben! Willi Martens pflegt weit über 20 ha des Loyermoores - auch die NABU-eigenen Flächen.

 

Die Exkursionstermine finden sich jeweils in unserem Veranstaltungskalender - einfach nach dem Stichwort Loyermoor suchen...